Kunst in der DDR - Identitätsbildung durch Kunstwerke

Was im Faschismus funktionierte, funktionierte ebenso im Antifaschismus. Auch in den sozialistischen und kommunistischen Staaten spielten und spielen die Künste eine bedeutende Rolle in und für die politische Elite. Kulturrevolution ist bereits in den Werken Lenins ein beliebtes Schlagwort. Wie in den meisten Lebensbereichen galt auch in der Kultur das erklärte Ziel der Abgrenzung vom kapitalistischen Klassenfeind. Künste sollten im sozialistischen bzw. kommunistischen Sinne identitätsstiftend sein. Da die formale Quelle aller schöpferischen und so auch der künstlerischen Kraft im Sozialismus jedoch das Volk sein musste und damit der einfachen, künstlerisch nicht weiterführend interessierten Masse Rechnung getragen werden sollte, wurde alles Abstrakte, künstlerisch verfremdete, Surreale als dekadent abgelehnt. Die klare Aufgabe bestand darin, das gesellschaftliche Ideal real und unverfälscht darzustellen. Das Ergebnis war in vielen Fällen eine künstlerische idealisierte Überhöhung, die sich zum Beispiel in Bildern und Bildhauerei darstellt, die nicht von ungefähr deutliche Parallelen zu Darstellungen im Nationalsozialismus aufweisen.

Gleichermaßen sind es Künstler gewesen, die sich immer wieder als Stachel im Fleisch der Herrschenden erwiesen und denen es trotz Zensur und Verfolgung immer wieder gelang, auf Missstände hinzuweisen und diese einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln, um so wiederum eine gemeinschaftliche Identität zu fördern, die schließlich zum Zusammenbruch zahlreicher totalitärer sozialistischer Systeme führte.

Bis heute wird kreatives Schaffen im Kommunismus sowohl genutzt, um die Herrschenden und ihr Gesellschaftsbild positiv darzustellen und zu stärken als auch, oft im Verborgenen und nicht selten unter höchster Gefahr für die Akteure, um deren Herrschaft zu kritisieren und die Herrschenden bloßzustellen.
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